Schülerübungsfirmen

Schülerübungsfirmen an der Seerosenschule

1. Schülerübungsfirmen allgemein

In den Schüler-Übungsfirmen sollen die Schüler und Schülerinnen durch praktisches Handeln die Lernziele der arbeitspraktischen Fächer GtB und HsB (vergl. Lehrplan B L O: gewerblich-technischer Bereich und hauswirtschaftlich-sozialer Bereich) umsetzen und wirtschaftliche Zusammenhänge besser kennen und verstehen lernen. Weitere Ziele sind die Steigerung der Motivation durch Sichtbarmachung von Arbeitsergebnissen sowie die Vermittlung der von Wirtschaftsfachleuten immer wieder geforderten Schlüsselqualifikationen wie Eigeninitiative, Teamfähigkeit und Selbständigkeit.

Als zentrale Anliegen der SÜF`s ( vergl. Arbeitskreis BLO Schwaben ) kristallisierte sich in Poing heraus:

  • die  Ausweitung der praktischen Tätigkeiten im Unterricht
  • damit einhergehend mehr Erfahrungen der SchülerInnen in unterschiedlichen Berufsfeldern
  • realistisches Bewerbungstraining
  • die Schulung der sog. Schlüsselqualifikationen, die im herkömmlichen Unterricht doch recht theoretisch nur vermittelt werden können.

2. Zuwachs an praktischen Fähigkeiten

„Schüler sollen in möglichst vielen Berufsfeldern praktische Erfahrungen sammeln“ (vgl. BLO-Lehrplan S. 11). In Frage kommen Berufsfelder, in denen die SchülerInnen später die Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung haben. In unseren Schülerübungsfirmen finden sich die Berufsfelder „Ernährung und Hauswirtschaft“, „Farbtechnik und Raumgestaltung“, „Holztechnik“, „Pflegedienste“, „Service und Gastgewerbe“, „Textiltechnik und Bekleidung“ sowie „Verkauf“ wieder.

3. Schülerübungsfirmen in Poing

Im Jahre 2004 wurden für die SchülerInnen der Oberstufe, also der Klassen 7 bis 9  am SFZ Poing Schüler-Übungsfirmen gegründet. Dazu entstand der Trägerverein school@work e.V.

 Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Ziel, die „ … Chancen der Schüler und Schülerinnen auf eine künftige berufliche Eingliederung zu erhöhen.“  Die Schülerübungsfirmen werden neben einer neuen Form der  Berufsvorbereitung auch dem  Anspruch der individuellen Lernförderung gerecht: Die Arbeit in unseren Firmen (Kleingruppen mit je 4-6 Schülern)  ermöglicht es der Lehrkraft (Firmenchef), intensiv auf alle SchülerInnen (MitarbeiterInnen) einzugehen. Jede Firma wird von ausgebildeten SonderschullehrerInnen oder Fachlehrerinnen geleitet.

Durch die Arbeit der Schülerübungsfirmen wird die Schule nach außen geöffnet. Kooperationsformen mit schulischen ebenso wie mit außerschulischen Partnern aus der Arbeitswelt (Handwerk, Industrie, Dienstleistungsbereich) werden angebahnt. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Bereich Handwerk kommen ein Schreiner, ein Maler, ein Goldschmied, eine Schneiderin, ein Koch etc. in die Firmen, um den SchülerInnen fachspezifische Kenntnisse und das nötige Know how zu vermitteln. Ein sehr erfreulicher Aspekt ist das Interesse der Eltern an diesem neuen Angebot.

In Fortbildungen für KollegInnen anderer Schulen berichten wir von unseren Erfahrungen und zeigen Möglichkeiten auf, wie Schülerübungsfirmen an Schulen verwirklicht werden können.

Mit der Arbeit in den Schülerübungsfirmen werden wir gleichzeitig dem Anspruch des fächerübergreifenden Lernens gerecht. Neben dem Erlernen praktischer Fähigkeiten setzen sich SchülerInnen intensiv mit Inhalten aus den Kernfächern Mathematik und Deutsch auseinander: So wird z.B. in jeder Firma nach einem Arbeitstag ein Tagesbericht geschrieben. Das Schreiben von Rechnungen/Quittungen sowie von Werbetexten üben alle SchülerInnen intensiv und regelmäßig.

Auch Mathematik nimmt in der wöchentlichen Arbeit in den Schülerübungsfirmen einen festen Stellenplatz ein: Flächenberechnung bei den „Dienstagsmalern“, genaues Messen und Zeichnen bei den Schreinern, Rechnen mit Größen wie Liter und Gramm bei der „Koch AG“ und die Zeitplanung in jeder Firma sind nur einige Beispiele davon.

Die Schülerübungsfirmen bieten uns neue Möglichkeiten und Wege, die SchülerInnen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Trotzdem ist es uns wichtig,

das Betriebspraktikum der Klassen 7-9 in seiner bewährten Form beizubehalten. Auch der  Fachunterricht (HW/TAW) bleibt erhalten.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 nehmen auch die SchülerInnen einer Kooperationsklasse (8. Jahrgangsstufe) der Anni-Pickert-Mittelschule an den Schülerübungsfirmen Poing teil. Mit Beginn dieser Kooperation erweiterte sich auch das Angebot an Schülerübungsfirmen um eine Firma für Auftragskunst und eine weitere Kochfirma

4. Angebotene Übungsfirmen

  • Die Dienstagsmaler (Raumgestaltung, Lackierarbeiten)
  • Upcycling (Schmuck, Deko, Gebrauchsgegenstände aus Altmaterial)
  • Schlemmerbande und die süßen Früchtchen (Kochfirma, betreut von 2 Fachlehrerinnen, für das Mittagsessen am Dienstag in der APS)
  • „holz und design poing“ (Herstellung von Gebrauchsmöbeln, pädagogisches Material u.v.m.)
  • Die Chilikatzen (Kochfirma für die Herstellung eines vegetarischen Mittagessens aus Bio-Lebensmitteln aus der Region.)
  • „Soziale Firma“ (die MitarbeiterInnen gehen Dienstags in Kinderbetreuungseinrichtungen am Ort und arbeiten dort mit)
  • Kunstwerkstatt (Herstellung von individuell gefertigter Auftragskunst, meist Gruß- und Glückwunschkarten oder Tischschmuck)
  • Gartenbau ( ab 10/2011) (Gestaltung des Schulgartens, Versorgung der Kochfirmen mit frischen Salaten und Kräutern)

5. Bewerbungsverhalten

5.1 Verbesserung des Bewerbungsverhaltens

Großer Wert wird darauf gelegt, das Bewerbungsverfahren so authentisch wie möglich zu gestalten. Um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen, ist ein gutes Bewerbungsverhalten absolut notwendig. Da unsere Schüler pro Jahr in zwei unterschiedlichen Schülerübungsfirmen arbeiten müssen, durchlaufen sie sechsmal ein Bewerbungsverfahren. Hierbei müssen sie jeweils zwei Firmenchefs mit einer schriftlichen und einer mündlichen Bewerbung überzeugen.

Die Erfahrungen der letzten Bewerbungsrunden zeigten, dass sich Schüler in ihrer Bewerbung verbessern konnten. Es gelang ihnen im schriftlichen Bereich ausführlicher zu werden und im mündlichen Bereich selbstsicherer und gezielter ihre Wünsche zu formulieren.

5.2 Bewerbungsmappe

Nach den drei Schuljahren haben die Schüler also 10 bis 12 schriftliche Bewerbungen erstellt und gesammelt. Ebenso haben sie die Bewertungen von 6

Betriebspraktika. Zusätzlich erhalten sie von jeder Schüler-Übungsfirma ein Arbeitszeugnis.

Diese Dokumente können sie in einer Mappe zusammenfassen und bei zukünftigen Bewerbungen für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz als „Referenzen“ vorlegen.